Inklusion und Social Entrepreneurship Education

An dieser Stelle berichten wir über das erste Social Entrepreneurship Camp zum Thema Inklusion

Update: Am 26.-28. März findet das zweite Inklusions-Camp statt. Dieses Mal in Bremerhaven in Kooperation mit der dortigen Hochschule. Weitere Informationen findet ihr auf der Veranstaltungsseite.

Neben allgemeinen Social Entrepreneurship Themen, in denen wir den Teilnehmenden anhand der 17 SDGs eine große Auswahl an möglichen Bearbeitungsfeldern geben, werden auch immer wieder fokussierte Einzelthemen nachgefragt. Egal ob Gesundheit oder Klima, mit engeren Vorgaben werden die Ergebnisse innerhalb eines Camps vergleichbar und die Wahl fällt für die Teilnehmenden leichter.

Inklusion als Gelegenheit

Das Social Entrepreneurship Camp in Bremen schließt sich dem an – und zwar unter dem Motto „Neue Wege zur Inklusion“. Das Amt für Versorgung und Integration Bremen stellte sich die Frage, wie neue und innovative Ansätze aussehen könnten, um Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Studierenden aus interdisziplinären Studiengängen hatten bisher größtenteils keine großen Berührungspunkte zu Menschen mit Behinderung. So konnte für sie auch ein spannendes interaktives Lernumfeld geschaffen werden. Einzelne Personen mit einer Behinderung berichteten offen über ihre eigenen Erfahrungen und waren eine hilfreiche Unterstützung bei der Ermittlung der Zielgruppen-Bedürfnisse.

Impulse aus nah & fern, von Unternehmen und Unterstützungsökosystem

Inhaltliche Inputs kamen des Weiteren von zahlreichen Inklusionsexpert*innen. Darunter zählten die lokalen Akteure, unter anderem der

Dr. Frank Hoffmann

Landesbehindertenbeauftragte Dr. Joachim Steinbrück oder Mechthild Ungar und Stefan Höppner von den Integrationsfachdiensten. Aber auch die gesellschaftsunternehmerische Praxis war aus dem gesamten Land vertreten. Beeindruckende Berichte aus erster Hand kamen von Dr. med Frank Hoffmann (Gründer Discovering Hands), welcher Menschen mit einer Sehbehinderung einsetzt, um eine ergänzende Brustkrebs-Abtastung anzubieten. Silke Georgi von den Sozialhelden verschaffte einen Überblick über die vielfältigen Projekte der inklusiven Vorzeigeorganisation. Als Projektleiterin von JOBinklusive lag ihr vor allem die Vermittlung von Menschen mit Behinderung an Arbeitsstellen am Herzen. Nora Ehrlich präsentierte Auticon, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Autismus ernst nimmt und Unternehmen berät, wie diese die speziellen Fähigkeiten der neuen Mitarbeitenden einsetzen können.

 

Gruppe bei Arbeit mit Projekt Canvas

Christian Humm aus Bremen legt viel Wert darauf, inklusive Praktika zu vergeben und beschwor die positive Wirkung auf das gesamte Arbeitsteam. Sein Engagement wurde mit der Bremer Trommel 2019 ausgezeichnet. Das unternehmerische Knowhow kam neben der Hilfswerft, auch von Martin Holi von der Universität Bremen, der einen Einblick in die Finanzwelt gab. Cornelius Neumann-Redlin betonte schließlich als Vertreter der Unternehmensverbände im Lande Bremen die Herausforderung der Unternehmen.

 

Die Studierenden ordneten sich zunächst in Gruppen verschiedenen Zielgruppen zu, für die sie dann im Anschluss, angeleitet durch sich abwechselnde Praxis- und Theorieteile, Geschäftsideen entwickelten. Ihre ersten Ideen konnten sie dann in einem „Speed-Dating“ bei Vertreter*innen des AVIBs und weiteren Referent*innen testen und auf ihr Feedback hin anpassen.

Ergebnisse der Teilnehmenden

Präsentation von aut.net

Schließlich ging es dann im Finale darum, das erarbeitete Konzept vor einer Jury aus dem Staatsrat Jan Fries, AVIB-Leiter David Geduldig, Martin Holi und Nils Dreyer (Geschäftsführer Hilfswerft) bestehend, zu präsentieren. Das Spektrum war dabei vielfältig:

  • aut.net setzt etwas früher als Auticon an der Berufsberatung für Menschen mit Behinderung an und ermittelt mit Fragebögen ein Matching zu suchenden Unternehmen.
  • Easy Indoor nutzt die RFID-Technologie, um sich in Supermärkten oder auf dem Amt besser zu orientieren, insbesondere wenn eine Sehbehinderung dies erschwert.
  • LRS steht kurz für „Lernen Realisierbar Sozial“ und erdachte sich den Service, Arbeitsprozesse und -dokumente in leichtere Sprache zu „übersetzten“ und damit die Verständlichkeit und Lesbarkeit zu erhöhen, wovon nicht nur Legastheniker profitieren sollen
  • Rent & Roll stellt einen Leihdienst zur Bereitstellung von individueller behinderten gerechter

    Jan Fries als Teil der Jury

    Ausstattung dar, um Kosten zu senken und die Barrierefreiheit zu erhöhen.

  • Bei use & hear sollen technische Hilfsmittel und Transkriptionsapps für Gehörlose und schwerhörige Menschen vermietet werden. Dadurch Wartezeiten verringert und Hilfsmittel bezahlbar gemacht werden.
  • Social Open Doors konzentriert sich auf Menschen mit geistiger Behinderung und möchte durch das effiziente Verhältnis von digitalem und persönlichen Kontakt sowie Aufklärungsarbeit die Eintrittsbarrieren in den ersten Arbeitsmarkt senken.

 

David Geduldig, Amtsleiter und Initiator des Inklusions-Camp zeigte sich über die Ergebnisse im Interview mit dem Weser-Kurier erfreut. Gerade das sich über 30 Studierende ohne große inhaltliche Vorerfahrung, fast drei Tage lang mit dem Potenzial für inklusive Geschäftsmodelle engagierten, beeindruckte ihn stark: „Wenn (zudem) Gründer beim Aufbau einer neuen Firma von Anfang mitdenken, wie man Menschen mit Beeinträchtigung einbeziehen kann, dann ist das Inklusion, wie wir sie uns vorstellen“, so Geduldig. Auch weitere Camps sind mit Unterstützung des AVIB vorstellbar, um die Sichtbarkeit dieser doch so wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe zu erhöhen.

Weitere Eindrücke:

Diverses Teilnehmendenfeld mit interdisziplinären Studiengängen

David Geduldig gibt ebenso Feedback beim Speeddating…

… wie Cornelius Neumann-Redlin aus Unternehmensperspektive

Silke Georgi von den Sozialhelden

 

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