Gesundheit als Social Business

Gesundheit als Social BusinessSocial Entrepreneurship verbindet unternehmerische Ansätze und gemeinwohlorientierte Ziele. Viele junge Gründer finden dabei auch das Thema Gesundheit spannend. Hier lest ihr einen Einführungs-Text zum Thema Gesundheit als Social Business. Wer selbst aktiv werden will, findet am Ende weitere Informationen zum Social Entrepreneurship Camp Making More Health an der Universität Gießen (18.-20.1.). Diese Veranstaltung ist kostenlos und steht allen Interessierten offen.

Kaum ein Thema scheint so wichtig, wie unsere Gesundheit. Wer das hinterfragt, sollte einmal bei den jüngst anfallenden Neujahrs-Vorsätzen oder -WhatsApp-Nachrichten nachschauen: Jeder wünscht sich jedem eine gute Gesundheit, auch für das Jahr 2018.

Auf der globalen Ebene ist das Thema eine zentrale Herausforderung. Das zeichnet sich nicht nur an der Existenz einer Weltgesundheitsorganisation ab, sondern auch in den globalen Nachhaltigkeitszielen. Dort steht als drittes Feld „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“.

Deutschland hat in der globalen Ausrichtung Einiges nachzuholen. Nach der deutschen G7-Präsidentschaft kamen neue Impulse für die öffentliche Forschung. Nun geraten vernachlässigte (Schlafkrankheit, Flussblindheit, etc.) und armutsbegünstigte (HIV, Tuberkulose, Malaria) Krankheiten stärker in den Fokus.

Wer bringt innovative Lösungen Made in Germany?

National sehen die Herausforderungen anders aus. Wie umgehen mit der medizinischen Versorgung von Geflüchteten? Was kann man gegen Wohlstandskrankheiten wie Diabetes machen? Wie löst man das Feinstaub-Problem? Warum leiden immer mehr Berufstätige unter dem Burnout-Syndrom und was sind effektive Gegenmaßnahmen? Wenn Menschen immer älter werden, treten auch vermehrt Krankheitsbilder auf, die früher noch nicht relevant waren. Demenz ist hier beispielsweise zu nennen.

Doch wer löst diese Probleme? Ein privater Akteur sind die Pharmazie-Unternehmen. Laut der aktuellen PwC-Studie „Healthcare Barometer 2017“ nehmen jedoch nur 19 Prozent der Deutschen jene als innovativ in der Heilung von Krankheiten wahr. Knapp drei Viertel der Deutschen sind hingegen der Ansicht, dass sie vor allem auf eigene Gewinne bedacht sind und zulasten der Sozialkassen wirtschaften.

Ein solches Pharmaunternehmern ist auch Boehringer Ingelheim. Und zwar das größte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland! Mit „Making more Health“ hat sich das Unternehmen mit Ashoka verbündet, um weltweit Social Entrepreneurship zu fördern. Die Verzahnung von innovativen wirtschaftlichen Ansätzen und gemeinwohlorientierter Ausrichtung von Produkten oder Dienstleistungen steht hierbei im Vordergrund. Es werden also genau die obigen Kritikpunkte angegangen.

Was machen Gesundheits-Entrepreneure?

Gesundheit spielt für Social Entrepreneure als Geschäftszweck eine immer wichtigere Rolle. So versucht das Team Aslan& Menschen mit ähnlichem Hintergrund per App miteinander zu verbinden, um sich über gemeinsame psychische Herausforderungen wie Stress, Trauer oder Depression auszutauschen. Während dabei eine Seite gerade Hilfe sucht, hat die andere Seite schon einmal dieselbe Herausforderung gemeistert. Oder Green City Solutions, welche mit bestimmten Mooskulturen die Schadstoffe aus der Luft filtern wollen, um so das Atmen in Großstädten wieder gesünder zu machen.

Das Thema Demenz gehen die drei Gründer um Steffen Preuß an. Ihr Startup Ichó steht für die digitale Gesundheitsförderung für Menschen mit Demenz. Dabei basiert ihr Geschäftsmodell auf einem handfesten Produkt. Angetrieben durch das Schicksal der eigenen Großmütter, entwickelten sie einen Therapieball, der äußere Einflüsse wahrnimmt und dessen Reaktion sich programmieren lässt. Mit farbigem Licht, Vibration und Klang werden gleich mehrere Sinne angesprochen. Damit können Gruppeninteraktionen erleichtert werden, schließlich macht der Ball neugierig. Oder einzelne Patienten erhalten auf sie zugeschnittene Reaktionen, wie Musik aus der Vergangenheit, was den Behandlungsstress reduziert.

Mit der Idee sind sie ziemlich erfolgreich: So erhielten sie den Wittener Preis für Gesundheitsvisionäre. Beim Impact Summit kamen sie als eines von zwei nationalen Social Startups in das Pitch-Finale. Beim EU-Wettbewerb „Ideas from Europe“ vertraten Sie Deutschland. Eine erfolgsversprechende Aussicht besteht, schließlich sind die Hürden für eine internationale Vermarktung nicht so hoch, wie bei sprachbasierten Anwendungen. Und so könnte letztendlich wieder ein Beitrag zur globalen Gesundheit erfolgen.

An Social Entrepreneurship oder Gesundheitsthemen interessiert? Die Hilfswerft gGmbH veranstaltet zusammen mit der Boehringer Ingelheim-Initiative „Making More Health“ ein für Teilnehmende kostenloses Social Entrepreneurship Camp vom 18.-20. Januar in Gießen. Neben vielen weiteren Akteuren aus Wissenschaft und Praxis, wird sich auch ichó vorstellen. Mehr Informationen und eine Anmeldemöglichkeit finden sich unter https://www.hilfswerft.de/mitmachen/hochschul-seminare/uni-giessen/. Das Format der Social Entrepreneurship Camps wurde von der UNESCO als „Netzwerk mit Auszeichnung 2017/2018“ anerkannt.

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