Barrierefreie Online-Workshops durchführen

Viele mögen sich an Videokonferenzen und Online-Seminare gewöhnt haben. Doch wie steht es eigentlich um die Barrierefreiheit? Wir haben bei unserem Social Entrepreneurship DigiCamp an der TH Köln den Selbstversuch gemacht. Ein Nachbericht.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März sind wir alle zu Profis für Videokonferenzen und Online-Formaten geworden. So galt auch dieses Mal für die Durchführung unseres Social Entrepreneurship Camps an der TH Köln die Auflage einer virtuellen Umsetzung. Durch unser Pilotversuch des 1. Social Entrepreneurship Digicamps waren wir zuversichtlich, die Dynamik von Workshops in analogen Räumen wieder in die virtuelle Welt bringen zu können. In einem stetigen Lernprozess haben wir in der Zwischenzeit Feedbacks gesammelt und diese Learnings für die Konzeption des aktuellen DigiCamps einfließen lassen.

Gute Ausgangslage, neue Herausforderungen

In Kooperation mit dem Institut für Inklusive Bildung NRW gGmbH, der Unterstützung des LVR Rheinland und der TH Köln, planten wir die gemeinsame Veranstaltung und stellten uns einer zusätzlichen Aufgabe: Bei dem ersten DigiCamp konnten wir als Verbesserungspotential identifizieren, dass nicht nur über, sondern auch mehr mit Menschen mit Behinderung gesprochen werden soll. Also: Wie können Online-Seminare aussehen, die interaktiv und für alle zugänglich sind?

Die Perspektive erweitern

Wir wollten das neu aufgesetzte Online-Angebot des Digicamps erweitern. Dabei war der Anspruch, digitale Teilhabe und Teilgabe zu gewährleisten, um möglichst vielen Menschen mit unterschiedlichen Anforderungen eine Beteiligung zu ermöglichen. So sammelten wir in den Vor-Gesprächen mit den Teilnehmenden die verschiedenen Bedürfnisse, ermittelten Anforderungen, besprachen Notwendigkeiten um dann das Camp entsprechend umzugestalten.

Beispielbild: Wie können wir sicherstellen, dass jeder Grafiken und Logos mitbekommt?

Denn als Mensch ohne Behinderung denkt man oft gar nicht daran, dass es auch Bordsteine, Treppen und andere Hindernisse bei Videokonferenzen gibt. Wie kommen Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung zum Beispiel durch die vielen Menüpunkte, bis sie an der Videokonferenz teilnehmen können? Und wie stellt man sicher, dass sie möglichst viel mitmachen können, auch wenn sie Grafiken nicht oder nur schwer sehen können? Daneben wollen Personen mit einer Hörbeeinträchtigung mehr als nur ein paar Folienstichworte mitbekommen. Und das sind nur die offensichtlichsten Herausforderungen.

Digitale Hilfsmittel erleichtern Kommunikation

Wir arbeiteten also in kürzester Zeit eine barrierefreie Digitalisierung unseres Camp-Formates aus. Die eingesetzte Technik sollte dabei zugänglich und bedienbar sein und nahezu alle Dokumente, Präsentationen, Informationen, Formulare und Benutzeroberflächen konnten am Ende barrierefrei zur Verfügung gestellt werden.

Dabei setzten wir u.a. assistierende Technologien und Werkzeuge wie leichte Sprache, Untertitel, Schriftendolmetscher und Screenreader ein. Die Umsetzung dieses barrierefreien Angebotes verdanken wir der kurzfristigen Förderung durch den ifd Köln. Wir selbst beauftragten einen weiteren Dienstleister, der barrierefreie PDFs erstellt. In diesen fassten wir dann Folie für Folie zusammen, was gerade für die anderen Teilnehmenden in der Bildschirmpräsentation gezeigt wird – inklusiver zahlreicher Arbeitsblätter.

Auch für uns war dies ein wertvoller Gewinn an neuen Kompetenzen. So folgte der Workshop also nicht nur inhaltlich einem inklusiven Ziel, sondern wir konnten auch eine inklusive Praxisanwendung gewährleisten.

“Wenn man Inklusion als Inhalt behandelt, kann man nicht bei der Form aufhören. Da wollten wir konsequent zu sein”, so Nils Dreyer, Geschäftsführer der Hilfwerft gGmbH.

Gruppenfoto nach den Pitches

Um was ging es?

Gesellschaftliche Probleme kreativ und unternehmerisch angehen und einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft leisten – das und nicht weniger wollen Social Entrepreneurs mit ihren Initiativen für Umweltschutz, Inklusion, Gesundheit, Bildung, Integration und weiteren Herausforderungen (s. Sustainable Development Goals) unserer Zeit erreichen.

Inklusion als Gelegenheit

Das Social Entrepreneurship Digicamp in Köln setzte das um – und zwar unter dem Motto „Inklusion in der Arbeitswelt“. Das Institut für Inklusive Bildung NRW gGmbH stellte sich die Frage, wie neue und innovative Ansätze aussehen könnten, um Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt zu integrieren. Studierende aus interdisziplinären Studiengängen sowie externe Akteure mit Bezugspunkten zu Inklusion sollten an diesen 2,5 Camp-Tagen Geschäftsmodelle entwickeln, um Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Das Expertennetzwerk: Branchen-Kenner und Gründungs-Enthusiasten

Alle ReferentInnen eint der Bezug zu aktuellen Social-Entrepreneurship-Projekten aus dem Bereich Inklusion. Die TeilnehmerInnen sammelten zu Beginn Themen, bildeten dann Teams und entwickelten im weiteren Verlauf, angeleitet durch sich abwechselnde Praxis- und Theorieteile, inklusive Geschäftsideen.

TAG 1: Teamfindung und Basiswissen

Zu unserem 1. barrierefreien DigiCamp begrüßten Fabian und Nils, das Hilfswerft-Moderatorenteam, alle Teilnehmer*innen. Dieses Mal hatten wir Technikchecks bereits vor Workshopbeginn mit den Beteiligten durchgeführt, um einen reibungslosen Einstieg für alle zu gewährleisten. Wir starteten mit einem verkürzten virtuellen  “Warm-Up”, um sich auf die digitale Technik einzulassen, zu testen und mögliche Hemmnisse abzubauen. Um ins Thema einzuführen, haben wir gemeinsam Challenges und kleinere Aufgaben erprobt, die wir vorab in unserem Info-Paket an alle TeilnehmerInnen per Post versendet haben.

Impulse aus der Praxis

Mit einem Praxisimpuls von Dana Fischer von GAADI bicycle Tube GmbH begann unser Camp. Sie berichtete, wie aus der Produktion eines leicht einzusetzenden Fahrradschlauches ein Social Business werden kann. Der unternehmerische Aspekt war ihr besonders wichtig dabei, konnte sie so auch ihren Vater überzeugen, das Familienunternehmen noch inklusiver aufzustellen. Schon immer hat man dort im Unternehmen mit Menschen mit Behinderungen zusammen gearbeitet und daher war es ihr Ziel, auch den GAADI Fahrradschlauch in Deutschland mit integrativen Mitarbeitern und einer rechtlich eigenständigen Organisation herstellen zu lassen.

Den Teilnehmenden besonders in Erinnerung geblieben sind 7 junge Menschen, die am Institut für Inklusive Bildung NRW gerade zu Bildungsfachkräften ausgebildet werden. Als qualifizierte Bildungsfachkräfte vermitteln Amandj, Andreas, Florian, Fabian, Jenny, Jil und Luca Studierenden ihre Lebenswelten, Bedarfe und Sichtweisen. So sensibilisieren sie auf Augenhöhe für das Thema Inklusion. Gemeinsam mit ihrer Qualifizierungsleiterin Ruth Wiegering haben sie sehr eindrucksvoll über ihre Motivation, Sorgen, Perspektiven, Erwartungen an Beruf und Ausbildung berichtet.

Interdisziplinäre Gruppen erarbeiten Konzepte

In unserer 1. Gruppenarbeitsphase ging es darum Probleme zu identifizieren und zu verstehen. Für welche Herausforderungen bei der Inklusion in der Arbeitswelt möchte man im Camp Lösungen entwickeln? Wir gaben erste Anregungen, aber auch eigene Themen und Ansätze wurden gesammelt und gewählt. Mithilfe des “Problem-Eisbergs” und der Definitions-Frage gingen die Teams nun in die erste Gruppenarbeit und tauschten sich in den virtuellen Gruppenräumen (Breakout-Sessions) aus.

Rahmenbedingungen kennenlernen

Klaus-Peter Rohde berichtet über die Arbeit des LVR

Klaus-Peter Rohde, Leiter der Abteilung Inklusionsbegleitung, Inklusionsbetriebe, Arbeitsmarktprogramme beim LVR, ließ uns in seinem anschließenden Vortrag hinter die Kulissen des LVR blicken. Wie fördert man Inklusionsbetriebe, welche Unterstützungsangebote bestehen, mögliche Optionen für Zuschüsse – dieses Spektrum bietet das LVR mit dem Ziel Inklusion in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Britta Schwecht von der FAF, Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte gGmbH, berichtete in ihrem Praxisimpuls über die aktuellen Trends bei Inklusionsunternehmen. Sie berät Inklusionsbetriebe und soziale Unternehmen mit dem Ziel ist es, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen und zu sichern. So gibt sie einen Überblick über die Inklusionslandkarte im Rheinland mit den vielfältigen Chancen, Herausforderungen und Perspektiven, Erfolgsfaktoren und Spannungsfeldern.

Hier noch ein Video-Eindruck ihrer Tätigkeit: https://www.youtube.com/watch?v=JqOCKY2FRfM&feature=youtu.be

Sich als Teil einer Gruppe verstehen

In der 2. Gruppenarbeitsphase ging es darum, die eigenen Kompetenzen kennenzulernen. Wie arbeiten wir im und als Team zusammen, wer hat welche Rolle und welche Kompetenzen? Wie bringen wir Stärken ein, wo liegen Schwächen, was macht mich als Persönlichkeit aus, wer übernimmt welche Verantwortlichkeit? Fühlte man sich hier gut vorbereitet, konnten weitere Recherchen zum Gruppenthema durchgeführt werden. So sollte am ersten Tag die Problemanalyse abgeschlossen sein – Zeit für die Ideen!

 

TAG 2: Geschäftsmodellentwicklung & Social Startup Canvas

Dr. Claudia Paul vom Institut für Inklusive Bildung NRW gGmbH startet mit ihrem Impuls an diesem 2. Camptag. Sie ist Projektleitung für das Projekt „Inklusive Bildung NRW“ und erklärt uns die Hintergründe des Vorhabens. Ausgangssituation war, dass Menschen mit Behinderungen Arbeitsperspektiven und Teilhabemöglichkeiten auf Augenhöhe erhalten sollten. Man stellte fest, dass sich die Lebenswelten, Teilhabemöglichkeiten und Verwirklichungschancen von Menschen mit und ohne Behinderungen stark unterscheiden. Mit dem Projekt ermöglicht man eine Qualifizierung von Bildungsfachkräften, schafft Bewusstsein für die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen, implementiert Bildungsleistungen in die Hochschullehre und sichert Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zudem ist ein gutes Beispiel für ein Social Franchise, da die ursprüngliche Iee aus Kiel stammt.

Vom Problem zur Idee

Fabian widmete sich im nächsten Impuls dem Thema Ideengenerierung: Wie kommt man vom Problem zur Idee? Er stellte verschiedene Kreativtechniken vor, welche dabei helfen die eigene Idee weiterzuentwickeln und zu bewerten. In der folgenden moderierten Breakout-Session haben die Teams ausgewählte Methoden – 6-3-5, SCAMPER und die Walt-Disney-Methode – für ihre Vorhaben angewandt.

Und woher kommen die Einnahmen?

Nils sprach in seinem Impuls über die Ertragsmodelle von Sozialunternehmen. Auf Basis der drei Leitfragen Was? Für wen? Und Wie? zeigt er die Besonderheiten von sozialunternehmerischen Geschäftsmodellen am Beispiel der Hilfswerft. Nils nutzt das Tool “Business Model Innovation Map” der Uni St. Gallen um zu zeigen, wie sich Geschäftsmodelle auf realtiv wenige Muster zurückführen lassen. Er erklärt mögliche Muster von Geschäftsmodellen mit bekannten Praxisbeispielen.

Unser Referent Daniel Büchle, Geschäftsführer bei der AfB, IT-Remarketing – sozial und ökologisch, ergänzte die Expertenrunde. AfB zählt inzwischen zum weltweit führenden gemeinnützigen Unternehmen der IT-Branche. Das Unternehmen wurde ganz aktuell zu “Europas Sozialunternehmen des Jahres 2020” ausgezeichnet. AfB überzeugte die Jury bei der europaweiten Ausschreibung mit dem Gesamtkonzept aus sozialer Inklusion, fairen Gehältern, ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg.

Machen, Testen, Verbessern

In der nächsten Gruppenarbeitsphase bereiteten sich die Teams auf die nachfolgende Speedfeedback-Runde vor. Fabian nutzte das Social Startup Canvas, welches die relevanten Bereiche aufnimmt und ausschnitthaft als Basis zur Ideenvorstellung in der Feedbackrunde genutzt werden sollte.

Bild auf dem Experten des Speedfeedbacks zu sehen sind

Bild: Expert*innen des Speedfeedbacks

Der Nachmittag begann mit der Speedfeedbackrunde, bei der alle Teams ihre Vorhaben unseren Expert*innen vorstellten. Jedes Team hatte 10 Min Austauschzeit mit einem Experten und wechselte dann zum nächsten. So bekamen die Teams wertvolle Anregungen von unterschiedlichen Personen und konnten Feedback sammeln um ihre Ideen weiter zu entwickeln. Als Expert*nnen standen zur Verfügung: Stephanie Grubenbecher vom Gründungsservice der TH Köln, Volker Anneken von derGold-Kraemer-Stiftung, Annika Hans vonkovibri, Fabian Hesterberg und Florian Lintz von den Bildungsfachkräften (s.oben) undChristian Brandstettervom G-Lab der Hochschule Karlsruhe.

Viele Wege führen zur Finanzierung

Den Impuls Finanzierung von Sozialunternehmen (Crowdfunding, Stiftung, Bootstrapping) hatten wir mit einem Speaker-Duo belegt. Dr. Volker Anneken von der Gold-Krämer-Stiftung zeigt uns die Rolle von Stiftungen als Motor und (Unterstützungs- und Finanzierungs-)Partner für neue Ansätze in der Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Als Praxisbeispiel stellte er das in 2020 startende inklusive Wohn- und Kunstquartier in Pulheim-Brauweiler.

Annika Hans, war in der weltweit tätigen Studierendenorganisation Enactus aktiv, die es sich zum Ziel gesetzt hat, soziale und ökologische Probleme kreativ und mit wirtschaftlichem Ansatz zu lösen. Dabei war sie im Team von kovibri – ein Social Startup, das von Enactus Köln ins Leben gerufen wurde und mittlerweile ein gegründetes Unternehmen ist. Sie berichtet über die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne, die sie für kovibri durchgeführt haben. Dabei durften die Erfolgsfaktoren, bewährte Plattformen und Beispiele nicht fehlen.

In der letzten Gruppenarbeit des heutigen Tages ging es darum, die gesammelten Erkenntnisse des Nachmittags auf die eigenen Ideen anzuwenden. Alle Teams sollten mit dem Social Startup Canvas arbeiten und dabei ihre Vorhaben weiter strukturieren, entwickeln und konkretisieren.

TAG 3: Pitchpräsentation der Teams

Der letzte Tag bedeutet für uns auch immer besondere Spannung: Wie weit sind die Teams mit ihren Ideen? Wie können sie die restliche Zeit noch gut nutzen? So hatte Fabian am Abend zuvor alle Canvas-Vorlagen der Teams begutachtet und letzte Tipps eingefügt um an der einen oder anderen Stelle die Konzepte zu schärfen.

Kölner und bundesweite Unterstützungsorganisationen

Doch zunächst wartete Emily Goehlmann beim letzten Impuls des Camps mit nützlichen Tipps, wie es mit den Ideen weitergehen kann und wer in einem lokalen Gründungsökosystem unterstützen kann. Selbst auch als Studentin an der Uni Köln, betreute sie das damalige Enactus Projekt „Kaffeeseife“, das sie am Ende ihrer aktiven Enactus Zeit erfolgreich an ein lokales Startup weitergeben konnte. So entstand vor zwei Jahren „Bean and Clean – die Kaffeeseife“. Emily berichtet am Beispiel dieses Projektes, warum ein gutes Netzwerk und die Standortwahl für Startup so wichtig ist. Partnerschaften, Produktentwicklung, Finanzierung und Hilfe beim Business Model – ist das Gründungsökosystem fruchtbar, fällt es leichter, sich durch den Startup-Dschungel zu kämpfen.

Lasst die Pitches beginnen!

Vor jeder Präsentation steht erst einmal die Vorbereitung. Fabian gab Hinweise zum Aufbau des Pitches und erhöhte noch einmal den Schwierigkeitsgrad: 5 Minuten, 5 Folien und maximum 10 Wörter pro Folie.

Nun hatten alle Teams nochmal Zeit in der letzten Gruppenarbeit ihre Pitches vorzubereiten. In unserer Pitchpräsentation begrüßten wir als ExpertInnnen in der Jury: Stephanie Grubenbecher vom Gründungsservice der TH Köln, Monika Labruier, ProjektRouter gGmbHund Christoph Beyer, Leiter des LVR- Inklusionsamtes Köln und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH).

Die Vorhaben unserer Teilnehmenden

Team TANDEM:

  • Gemeinsame Praktika von Jugendlichen mit und ohne Behinderung auf dem 1. Arbeitsplatz
  • Das Problem: Schüler mit Behinderung bekommen selten eine Chance auf ein Berufspraktikum außerhalb der Sozialwirtschaft. In vielen Unternehmen gibt es Vorurteile, Barrieren und Hemmungen. Diese eingeschränkte Möglichkeit der Berufsorientierung reduziert die Chancen für einen Einstieg im ersten Arbeitsmarkt.
  • Der Lösungsansatz: Schüler mit und ohne Behinderung absolvieren ein Praktikum als Tandem. Damit sinkt der Betreuungsaufwand für die teilnehmenden Unternehmen. Gleichzeitig werden im Schüler-Tandem Kooperationsbereitschaft und Verantwortungsübernahme gestärkt. Das Konzept wird derzeit an einer Schule in Mühlheim an der Ruhr getestet. Im Rahmen des Digicamps wurden potenzielle Kooperationspartner identifiziert und Möglichkeiten für ein überregionale Skallierung evaluiert.

Team Sensi-Consult:

  • Coaching zur Vorbereitung von Teams, auf die Zusammenarbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen, in Industrieunternehmen
  • Das Problem: Aufgrund von Unwissenheit, Vorurteilen und Berührungsängsten ziehen viele Unternehmen die Anstellung behinderter Mitarbeiter*innen nicht in Erwägung. Manche probieren es, können aber keine Begleitung/Betreuung gewährleisten und erleben dann Konflikte, Diskriminierung und Exklusion.
  • Der Lösungsansatz: Sensi-Consult berät und begleitet Unternehmen vor und während der Einarbeitungsphase. Besonderes Augenmerk liegt auf den Teams, in denen Kooperationsbereitschaft und Toleranz gestärkt werden sollen. Sensi-Consult stärkt durch seine Arbeit das soziale Gefüge in Unternehmen insgesamt. Durch eine Senkung von Krankheitstagen/Fehlzeiten kommen auch die Krankenkassen (im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung) als Partner und Finanziers in Frage.

Team Werkstatt for Future:

Auszug aus dem “Pitchdeck” einer Gruppe

  • Wir gestalten die Werkstatt der Zukunft für Menschen mit Behinderung unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und Inklusionsgerechtigkeit.
  • Das Problem: Werkstätten für Menschen mit Behinderung sind nicht inklusiv genug, zudem gibt es nicht genügend Mitspracherechte. Monotonie, Eintönigkeit, Unterforderung und kein Gefühl von Wertschätzung sind die Folge.
  • Der Lösungsansatz: In der Werkstatt der Zukunft werden eigene, nachhaltige Produkte erstellt bzw. Dienstleistungen erbracht – das stärkt die Teilhabe und schafft Entwicklungsperspektiven. Die Mitarbeitenden können sich individuell weiterbilden und mitgestalten. Der Verkauf eigener Produkte ist anfänglich eine wichtige Erlösquelle, perspektivisch soll das Wissen aus dem Modellprojekt über Beratung und Zertifizierung das bestehende Werkstattsystem erneuern.

Team inklusiver-arbeitgeber-werden.de:

  • Wir erstellen eine unverbindliche, übersichtliche und umfassende Beratungswebpage für Arbeitgeber, die sich für das Thema Inklusion öffnen wollen
  • Das Problem: Arbeitgeber finden sich im Informationsdschungel nicht zurecht und haben zu wenig Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten. Selbst wenn grundsätzlich Interesse in Inklusive besteht, sind die Einstiegshürden zu groß.
  • Der Lösungsansatz: Als Lotse bringen wir Arbeitgeber und Inklusionsangebote zusammen. Das bereits bestehende Informationsmaterial wird aggregiert und Angebote gebündelt. Eine kostenlose telefonische Erstberatung senkt die Einstiegshürden stark ab und vermittelt bedarfsgerecht weiter. Erfolgreiche Angebots-Aggregatoren gibt es bereits in vielen Wirtschaftsbereichen. Durch die länderspezifischen Besonderheiten ist der Bedarf für den Bereich Inklusion besonders hoch.

Unsere Erfahrungen:

Es war wieder einmal ein inspirierendes Camp mit motivierten Präsentationsteams. Die Barrierefreiheit wurde in vielen Bereichen schon mitgedacht. Während die Schriftdolmetschung funktionierte, muss noch an der stärkeren Einbindung von Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung gearbeitet werden. Gerade die Dynamik mit wechselnden Räumen und Arbeitsunterlagen kann zur Überforderung führen. Dies trifft auch auf Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zu, die wir noch nicht genügend berücksichtigt hatten. Mehr Zeit zwischen den Übergängen wäre hier angebracht.

Auf der anderen Seite merken wir, dass bei Problemen zu spät die von uns angebotene Hilfe angefragt wird und auch der Technikcheck zur besseren Vorbereitung noch besser angenommen werden könnte. Hier können noch Hemmschwellen abgebaut werden.  Dennoch machten die Teilnehmenden später Angaben, dass neben den vielseitigen Praxisbeispielen vor allem die Teamarbeit Spaß gemacht hat, was uns darin bestärkt, weiter an unserem Inklusionsangebot zu arbeiten.

Stimmen unserer Partner:

Christoph Beyer, LVR-Inklusionsamt, fasst nach 3 Tagen Workshop zusammen: „Das DigiCamp an der TH Köln war auch für mich eine echte Bereicherung. Die von den Teilnehmenden erarbeiteten Ergebnisse überzeugten vor allem durch ihren fundierten und gleichzeitig umfassenden Ansatz. Sämtliche Facetten, positive wie negative Faktoren der Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit einer Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kamen zur Sprache. Die Begeisterung der Teilnehmenden für das Thema war überall spürbar. Und dann war die ganze Veranstaltung nicht nur digital, sondern auch barrierefrei. Das macht einfach Lust auf mehr.“

Klaus-Peter Rohde, LVR-Inklusionsamt: Der Gesamtverlauf der Veranstaltung zeigt, dass es eine gute Idee war, diesen als Präsenzveranstaltung geplanten Workshop nicht den corona-bedingten Einschränkungen zum Opfer fallen zu lassen, sondern ihn in einem anderen Format – als digitalen Workshop – durchzuführen.
 

Stimmen der TeilnehmerInnen:

“Weiter so! Ich habe eigentlich nie vorgehabt ein eigenes Sozialunternehmen zu gründen, aber jetzt kann ich es mir in den nächsten Jahren vorstellen! Danke!”

“Danke für eure tolle Idee und die super Möglichkeit, durch das digitale Medium überregional mitzumachen.”“Ihr habt das echt gut gemacht und ich wünschte, dass Eure Arbeit auch mehr gewertschätzt wird!”

“Klasse gemacht, sehr gut und informativ aufgebaut. Da ich ein Inklusionsunternehmen  gründen möchte, habe ich nun viele neue Anlaufstellen und einen super Überblick!”

“Ihr habt einen super Job gemacht und ein spannendes Seminar zusammengestellt.”

Weiterführende Links:

 

 

 

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