Tiny Living: Matt Damon wäre stolz auf uns

Was machen wir genau in unseren Angeboten? In unregelmäßigen Abständen berichten wir an dieser Stelle über vergangene Events. Dieses Mal: Das Social Entrepreneurship Camp: Tiny Living an der Hochschule Emden/Leer.

Im Film Downsizing (2017) hat man die technische Lösung gefunden: Ressourcenverbrauch und Überbevölkerung scheint ein absehbares Ende zu haben. Wissenschaftler haben eine Technik entdeckt, um Menschen auf Puppengröße schrumpfen zu können. Doch – so viel sei gespoilert – Matt Damon hat als Hauptrolle mit seiner Minimierungsentscheidung und den entsprechenden Konsequenzen zu kämpfen.

Geht es auch anders?

Hätte es für ihn Alternativen gegeben? Und was ist mit unserer heutigen Gesellschaft, die vor den gleichen Herausforderungen steht, ein vergleichbarer technologischer Durchbruch jedoch nicht in Sichtweite oder im Einklang mit den Naturgesetzen ist?

Die Hilfswerft und Hochschule Emden/Leer in Form der dortigen MeerCommunity hat es sich zur Aufgabe gemacht, dies zusammen mit den Teilnehmenden des Social Entrepreneurship DigiCamp: Tiny

Begrüßung durch Vertreter_innen der Hochschule Emden/Leer

Living herauszufinden. Über 40 Studierende, Interessierte aus der Region und darüber hinaus sind dem Ruf gefolgt.

Die Herausforderung

Nach den Grußworten von Hochschulrektor Prof. Gerhard Kreutz, Entrepreneurship-Professorin Annika Wolf und MeerCommunity-Leiterin Franziska Facius, führte Hilfswerft-Moderation Fabian Oestreicher in die Welt des Social Entrepreneurships ein.

Daniel Fuhrhop berichtet zur Ausgangslage des Themas achhaltiges Wohnen

Die inhaltliche Annäherung zum nachhaltigeren Wohnen gab Daniel Fuhrhop, Buchautor, Wissenschaftler und seit wenigen Tagen vor dem Camp auch Oberbürgermeister-Kandidat für Oldenburg. Umso interessanter, seine Perspektive auf die Wohnsituation in Deutschland kennenzulernen. Insbesondere die Renovierung und flexiblere Nutzung des Altbaus stand im Vordergrund. Denn auch eine zusätzlich Flächenversiegelung, so „tiny“ sie auch sein mag, gelte es zu vermeiden.

Vor allem wurde aber auch noch einmal dargestellt, was für einen enormen Anteil das Wohnen an unseren persönlichen CO2-Konten inne hat. Der Handlungsbedarf ist da!

Beschnuppern und begeistern lassen

Im Anschluss trafen sich zum ersten Mal die Teilnehmenden in ihren Gruppen zusammen und füllten in der digitalen Kajüte ihr Crew-Canvas aus. Dabei sammelten sie die verschiedenen Stärken der einzelnen Mitglieder, klärten Werte und Teamregeln. Aber vor allem einigten sie sich auf eine Nutzergruppe, welche sie bei ihren Herausforderungen helfen wollten.

Als kleine Vorahnung für den nächsten Tag folgten dann die beiden Best Practice Impulse. Mit Marlene Welzl wurde als erstes die soziale Komponente des

Marlene Welzl von WohnBuddy

Zusammenwohnens betont. Bei WohnBuddy vermittelt sie und ihr Team in Österreich zwischen Senior_innen und Studierende, die sich gemeinsam eine

Van Bo Le-Mentzel zeigt live ein Tiny House.

Wohnung teilen und sich gegenseitig unterstützen.

Van Bo Le-Mentzel streamte live aus seinem aktuellen TinyHouse-Projekt und gab den Teilnehmenden eine Führung durch die Räumlichkeiten. Bei der Beantwortung der Teilnehmendenfragen konnte Le-Mentzel sich auf seine gesammelten Erfahrungen im Tiny Living-Bereich, aber auch anderen Projekten wie das Hartz 4 Möbelbuch oder den KarmaChaks berufen.

Unter der Oberfläche

Voll mit Inspiration aufgeladen, konnte die letzte Gruppensession des Tages starten. Beim Problem-Eisberg werden die Teilnehmenden dazu angehalten, die Problemursachen ihrer Wohn-Herausforderungen zu sammeln und jene auszuwählen, welche sie im weiteren Verlauf des Camps angehen möchten. So konnten die Teams einen gemeinsamen Nenner bei der Problemdefinition finden und sich optimal auf die Ideengenerierung vorbereiten.

Spinnen um Ideen zu gewinnen

Diese erfolgte dann am nächsten Tag. Mit einer Mischung verschiedener Kreativitätsmethoden erhielten die angehenden Zukunftskonstrukteure Orientierungspunkte, um dann ganz ihre Kreativität entfalten lassen zu können. Die Coaches der Hilfswerft, der MeerCommunity und Elisa Bodenstab von Perpetuum Mobility e.V. gaben zwischendurch zusätzliche Tipps und Hinweise.

Gefühl für Mehrwerte entwickeln

Leopold Tomaschek beschreibt seine Zielgruppe

Bei einer ersten Vorstellung der Zwischenergebnisse zeigte sich schon die Vielfalt der Ideen. Jetzt ging es um die Frage, wie sie umsetzbar sein könnten. Zur Feststellung der zahlungskräftigen Zielgruppen und ihren Bedürfnissen wurde die sogenannte Empathy Map zur Hilfe genommen. Um diese beispielhaft anzuwenden, wurde Leopold Tomaschek eingeladen, von seinen TinyHouse Workshops zu berichten und wie er umweltbewegte Endkonsument_innen als eine seiner Zielgruppen näher charakterisiert.

Danach waren die Gruppen wieder dran und wendeten das erlernte Wissen auf ihr Vorhaben an. Erlösmodellmuster luden des Weiteren dazu ein, über mögliche Einnahmenoptionen nachzudenken.

Feedback – schnell und vielseitig

Einblick in eine Speedback – Kann das Ideenschiff überzeugen?

Bestückt mit den bisher erarbeiteten Konzepten war es dann an der Zeit, die Ideen einem ersten Praxischeck auszusetzen. Dazu wurden zu einem „Speedback“ neun Expert_innen eingeladen, welche in 5 Runden à 13 Minuten die Teams kennenlernten und ihre Einschätzung einbringen konnten. Mit Manfred Ackermann (Stadtwerke Emden), Prof. Dr. Ivà Herráez, Tjarko Tjaden (beide HS Emden/Leer), Tim Göbel (Tiny Hotel UG), Florian Schick (LEB Werkstätten), Lena Schneider (Tony House Besitzerin in Emden), Andrea Beerli (Neues Wohnen NDS), Vicki Janssen (Coworkerhaus) und Stefan Neeland (Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing der Stadt Emden), konnten die unterschiedlichsten Themen und Fragen abgedeckt werden.

Die Wirkung macht‘s

Zur Verarbeitung des Feedbacks stand nicht mehr viel Zeit zur Verfügung. Die Uhr tickte immer lauter, doch der letzte Tag sollte noch einmal mit einem frischen Impuls starten. Tobias Polsfuß ist frischgebackener Ashoka-Fellow und arbeitet mit WOHN:SINN an der Verbreitung von inklusiven WG’s. Mit ihm zusammen wurde die Wirkungstreppe erklommen, um aufzuzeigen, wie die Wirkung von einem Projekt gemessen werden kann. Schließlich ist jene positive Veränderung der Hauptantrieb von Sozialunternehmen, sodass diese auch möglichst gut nachvollziehbar sein soll. Im Anschluss machten sich auch die Teams erste Gedanken, wie ihre Wirkung aussehen könnte.

3 Minuten Aufmerksamkeit

Nun konnte das letzte Kapitel des Camps aufgeschlagen werden: Am Nachmittag standen die Pitchpräsentationen der Ideen an. Gutachter_innen werfen einen letzten Blick auf die entworfenen Ideenschiffe und sollen noch einmal ordentlich Rückenwind geben. Zur Vorbereitung erhielten die Teams eine kleine Pitch-Einführung: Wie könnte der Aufbau gestaltet sein? Kann man Storytelling einbauen? Was ist der Unterschied zu herkömmlichen Präsentationen? Nach der Beantwortung dieser Fragen waren die Teams an der Reihe und konnten relativ frei an ihren Pitches arbeiten.
Dann war es soweit und Franciska Facius, sowie Stefan Kamer (Der Paritätische Emden), Olaf Neumann (GEWOBA Emden) und Andreas Bernaczek (Cornexion) hörten sich die Ideen an.

Zeit für den Pitch – hier von flexibeln Möbeln!

Lob von außen

Der Runde gefielen die Ideen und riefen dazu an, am Ball zu bleiben. Denn dann können auch noch Fragen des Baurechts oder der Wettbewerbsanalyse beantwortet werden, für die in der Kürze der Camp-Zeit nur wenig Platz war. Gut vernetzt konnten die Expert_innen hier auch schon die ersten Gesprächsangebote und Kontakte vermitteln. Und wer weiß, vielleicht finden die Ideen dann auch irgendwann Gehör bei Matt Damon und auf der ganzen Welt.

 

 

Und das waren die erarbeiteten…

Ideen des Social Entrepreneurship DigiCamps – Tiny Living:

  • BuyLess: Leihapps gab es schon einige, aber BuyLess funktioniert mit appinterner Währung als Reputationssystem und spannenden Features wie gemeinsamen Einkauf von Haushaltsgeräten
  • FlexiFurniture: Anbieten von Möbeln, die für verschiedene Zwecke umgebaut werden können. Inklusive App mit kostenpflichtigen Bauanleitungen zum Selbermachen.
  • Tiny House Gründungs-Gesellschaft: Tiny Houses liegen im Trend, passende Grundstücke sind rar. Hier soll eine Gemeinschaftsfläche entstehen, welche erlaubt minimalistisch, aber dennoch angenehm zu wohnen.
  • Tiny Web: Das Team hat festgestellt, dass die Vernetzung zwischen Tiny Living-Interessierten noch besser sein könnte. Mit dem Tiny Web wird mitgliedsbasiert eine Plattform angeboten, welche mehr Austausch und Sicherheit bei der Planung der eigenen (kleineren) vier Wände geben soll.
  • Wotel: Was kommt heraus, wenn man die Bedürfnisse von Studierenden nach niedrigen Wohnpreisen mit dem Service eines ökologischen Hotels verbindet? Die Wotel-Gruppe findet, hier ein Angebot für nachhaltiges und solidarisches Wohnen gefunden zu haben – wenn die Kommune oder die Universität als Coförderer mitzieht.
  • MoWo: Imker können Bienen in ihren Waben beheimaten und ggf. flexibel umziehen lassen. Was wäre, wenn Studierende auch eine Wabe fürs junge Leben hätten? Dazu werden größere Seecontainer wohnlich gemacht und aneinander geclustert. Beim Umzug in die nächste Stadt kommt der Container einfach mit.
  • Study Living: Greift auch die Container-Idee auf und lässt sie zu Wohnblöcken zusammenwachsen. Dabei soll auch auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung wert gelegt werden, die oftmals bei alternativen Wohnformen nicht genügend berücksichtigt wird.
  • From lost place to living space: Hier ist der Name Programm. Leerstand wird effektiver genutzt und durch eine Kooperation von Mieter, Investoren und Stadt kostengünstig wohnbar gemacht. Insbesondere Menschen mit verhältnismäßig niedrigem Einkommen soll dadurch zeitweise Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

Stimmen der Teilnehmenden:

Dieses Seminar ist hilfreich für alle Gründer-Interessenten. Wenn du mit Spaß und viel Input an dein Projekt herangehen möchtest, melde dich auf jeden Fall bei diesem oder ähnlichen Camps an. Auch neue Kontakte zu knüpfen und weitere Impulse mitzunehmen kannst du hier auf jeden Fall erwarten. – Katharina

Das Social Entrepreneurship Camp hat sich gelohnt und war auch eine Erfahrung, selbst wenn man vorher kein starkes Interesse am Thema Gründung hat. – Marco

Nachhaltig und unternehmerisch denken muss sich nicht ausschließen. Durch das Social Entrepreneurship Camp habe ich gelernt auch andere Aspekte außerhalb der regulären betriebswirtschaftlichen Perspektive zu bedenken -Hauke

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1 Antwort

  1. 6. April 2021

    […] Autor Fabian Oestreicher ist offen für weitere Literatur-Empfehlungen zum Thema Social Innovation Education. Aktuell arbeitet er an weiteren DigiCamps und einer Kooperation mit der HS Emden/Leer. […]

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