Gelesen: Social Innovation Education

Crew-Mitglied Fabian will noch mehr Wirkung an Hochschulen erreichen. Da hilft es, dass gerade ein Buch über Bildung zu Sozialen Innovationen und Social Entrepreneurship herausgekommen ist. Eine Buchbesprechung.

Viele unserer Angebote sind durch das „Trial and Error“-Prinzip entstanden: Was fänden wir beispielsweise als Studierende für ein Blockseminar spannend, um sich mit Social Entrepreneurship auseinanderzusetzen? Ergebnis war das Camp-Format mit vielen Praxisimpulsen und eine Konzepterstellung in Gruppenarbeiten. Wir holen uns Feedback ein, passen das Format an und lernen aus der nun überarbeiteten Durchführung. Dadurch haben wir es in über 30 Camps zu einer gewissen Reife gebracht, doch auslernen werden und wollen wir nie.

Transformierende Lehre

Umso besser, wenn wir einmal auch von der theoretischen Perspektive eine Einordnung erhalten. Mit dem Buch Social Innovation Education ist den Herausgeber_innen Michael Wihlenda, Taiga Brahm und Lina Greger von der World Citizen School ein schöner Überblick über „Transformierende Lernprogramme für Hochschule“ geglückt. Und das sage ich nicht, weil auch wir dort in einem Interview porträtiert werden.

Solch eine Einordnung in deutscher Sprache ist überfällig und gibt nicht nur uns, sondern auch anderen Mitstreiter_innen, Wissenschaftler und Lehrkräfte einen Einblick in die Vielfalt der Formate.
Das Buch ist nach einer Einleitung in die Teile „Lernprogramme“, „Tools“ und „Interviews“ gegliedert.
Naturgemäß kommen dabei die Inhalte der World Citizen School überproportional viel vor, aber auch eine interessante Mischung aus anderen Akteuren werden vorgestellt.

Vier Arten, um Entrepreneurship zu lehren

Doch selbst die Einleitung sollte nicht einfach so übersprungen werden, im Gegenteil: Wer sich mit der Befähigung von Menschen zur Gestaltung sozialer Innovationen beschäftigt, der wird an dieser Stelle mit den wichtigsten Ansätzen versorgt. Dabei bleiben die Ausführungen relativ an der Oberfläche, doch wurde zumindest meine Neugier nach einem tieferen Einstieg geweckt. Die Quellenverzeichnisse zeigen, wo es weitergehen könnte.

Insbesondere das Aufzeigen der vier Herangehensweisen bei der Social Entrepreneurship Education in Form des „Teaching about (social) entrepreneurship“ (Theoretischer Überblick zu Unternehmertum), „Teaching for (social) entrepreneurship“ (angehenden Gründerinnen wird Wissen vermittelt“, „Teaching in (social) entrepreneurship“ (Fokus auf angewandte Praxis und Wirkung auch auf Außenwelt) und „Teaching through entrepreneurship“ (Studierende unterlaufen unternehmerische Lernprozesse mit Anschlussfähigkeit an “Lernkonzepte erfahrungsbasiertem, forschenden, selbstorganisierten, transformative und projektbezogenen Lernens“ (S.24)) war aufschlussreich.

Die Freiheit haben, die Welt zu verbessern

Die Autor_innen sehen in der Social Innovation Education insbesondere im Capability-Ansatz (Sen /Nussbaum) eine Steilvorlage für die Lernformate, indem das Empowerment darin liegt, die Freiheiten in Form von Fähigkeiten und Chancen für ein gutes Leben zu erweitern.
In der Definitionsfrage stehen sie dann am ehesten Alden-Rivers et al. 2015 am nächsten, welche jene Form von Bildung als einen komplexen Prozess beschreiben, in dem Studierende dazu befähigt werden sollen, die Welt unabhängig ihrer Karrierepfade zu einem besseren Ort zu machen (S.26).

Viele Formate, fast auf einen Blick

Bei der Vorstellung der Lernprogramme ist es dann faszinierend zu sehen, wie vielfältig außeruniversitäre Programme, aber auch ganze Studiengänge versuchen, diesen Anspruch mit Leben zu füllen. Dabei scheint es, dass gewisse inhaltliche Vorgaben gegeben wurden, sodass eine gewisse Vergleichbarkeit etwa vom Ablauf oder den Lernansätzen möglich ist. Eine abschließende Tabelle wäre hier noch das i-Tüpfelchen auf dem Social gewesen.

Musik in den Ohren

Im Part der Tools wurde dann vor allem die Formate der World Citizen School vorgestellt. Während wir häufig mit maritimen Vergleichen arbeiten, entsteht hier eine musikalische Welt, die harmonisch ineinandergreift. Die abschließenden Interviews geben dann noch einer Vielzahl an Akteuren die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen. So wurde mein Kollege Carsten Lessmann gefragt, was Motivation hinter unseren Camps war, was die Studierenden mitnehmen sollen, welche Wirkung wir erreichen wollen und was für die Universitäten dabei herausspringt.

Die Lizenz als eigene Soziale Innovation

Das Beste: Das Interview, ja sogar das gesamte Buch, kann man sich hier kostenlos unter einer Creative Commons-Lizenz herunterladen. So könnt ihr euch einen eigenen Eindruck verschaffen und in unsere Welt der Social Innovation bzw. Social Entrepreneurship Education abtauchen. Ich jedenfalls werde noch lange damit beschäftigt sein, die Inhalte aufzuarbeiten.

Seht euch hier auch noch ein Interview aus  Januar 2021 an, indem sich Michael Wihlenda und Nils Dreyer als unser Geschäftsführer zu einem spontanen digitalen Plausch verabredet haben:

Fabian Oestreicher, Referent der YOUth CREATE (Jugendkonferenz auf Wangerooge, Landkreis Friesland)

 

Autor Fabian Oestreicher ist offen für weitere Literatur-Empfehlungen zum Thema Social Innovation Education.
Aktuell arbeitet er an weiteren DigiCamps und einer Kooperation mit der HS Emden/Leer.

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