Nachbericht Social Entrepreneurship Focus Camp | Teil 1

Social Entrepreneurship im Fokus – Startup Camp Berlin 2017

Die Hilfswerft war auch in diesem Jahr wieder Kurator des Focus Camps Social Entrepreneurship. Am 7. und 8. April hatten wir spannende Speaker eingeladen, die uns von ihren Erfahrungen im Bereich Social Entrepreneurship erzählten. Jeder, der am “Hauptevent” Startup Camp Berlin teilnahm, konnte unsere 30-minütigen Speaker-Slots besuchen. Dazu musste man nur den Raum 1.405 aufsuchen oder unseren Postern folgen…

Wer war dabei?

PSt Wiese BMWi: “Social Entrepreneurship shows us how exciting, divers and attractive the young german SME community is”

Im Folgenden wollen wir euch unsere Speaker vorstellen, die ganz unterschiedliche (Gründungs-) Ideen hatten und diese entweder schon umgesetzt haben oder gerade an einem passenden Geschäftsmodell arbeiten. Ihre Gemeinsamkeit: Die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern. In einer lockeren Atmosphäre, wie es oft bei Vernetzungs-Events der Fall ist, erfährt man oft ganz persönliche Einblicke in die Projekte der Entrepreneure.

Bevor es richtig losging, stellte Sönke die Hilfswerft vor und erläuterte, was uns eigentlich zum Startup Camp führt. Es folgte eine motivierende Eröffnungsrede per Videobotschaft vom Parlamentarischen Staatssekretär beim BMWi Herrn Dirk Wiese, der verdeutlichte, dass auch Social Entrepreneurship ein Thema politischer Diskussionen darstellt und in jedem Fall eine interessante Zukunftsperspektive für Deutschlands Wirtschaft bieten kann. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem BMWi im Rahmen der Social Startup Night haben wir uns sehr gefreut, dass Herr Wiese, als Nachfolger der jetzigen Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, sich zum Thema soziales Unternehmertum bekennt und unsere Arbeit als unterstützenswert ansieht.

Hier haben wir einen Überblick über die Speaker und die Beiträge zusammengestellt:

Die Speaker am Freitag

Svanja von OWE

Svanja Kleemann, one week experience

Welcome to the Real World: Learnings from a Social Startup

“One year One Week Experience – a year full of challenges and learnings. Building up a hybrid legal and funding structure, new divisions and growing from zero to 12 employees came along with new challenges. I am looking forward to sharing those and more learnings with you!”

Gesagt getan. Svanja erzählte uns sehr anschaulich von ihren Gründungserfahrungen. Um was geht es bei one week experience?
Jedes Jahr gibt es zig Studierende, die erst hochmotiviert ins Studium starten und deren Erwartungen dann doch nicht erfüllt werden. Was folgt: Studienabbruch. Damit dies nicht sein muss, können angehende Studenten als auch angehende Azubis durch OWE die Möglichkeit erhalten sich die ersten Eindrücke von Studium und Ausbildung schon vor Beginn des neuen Lebensabschnitts zu machen. Wie genau das abläuft, könnt ihr hier sehen.

Eines der wichtigsten learnings für Svanja war wohl zu erkennen, wie komplex es ist eine Online-Plattform aufzubauen und hier verlässliche Partner zu finden. Als GründerIn sollte man sich vorher bewusst machen wie zeitaufwendig solche Prozesse sind. Auch rechtlich gibt es im Vorfeld einiges zu klären, um zu gewährleisten, dass die IT später unabhängig inhouse benutzt werden kann.

 

Frank Liehr, Plasterpass

Frank stellt Pflasterpass vor

Pflasterpass – From little Helpers to grown-up Live-savers!

“Whats the idea of Pflasterpass and how can we achieve our goals? An inside view to our state of affairs and the next steps that need to be made.”

Pflasterpass bietet Erste-Hilfe Kurse für Kleinkinder an und möchte quasi das Erste-Hilfe-Pendant zum Seepferdchen werden. Frank veranschaulichte sehr gut, wie wichtig seine Mission ist. Denn oftmals sind Kinder beispielsweise Zuhause die einzigen vor Ort, wenn etwas mit einem Elternteil oder Geschwister geschieht und sie sich in einer womöglich lebensbedrohlichen Situation befinden. Schon im Alter von 4-8 Jahren können Kinder Fähigkeiten erlernen, die Leben retten können – deshalb sollten sie hier auch, ihrem Alter entsprechend, gefördert werden!

 

Elias Schneider, The Changer

Challenges and Opportunities for Social Startups – A Changer Perspective

Elias für The Changer

“Starting out with a look into common problems that social startups face, from salaries to funding and upscaling, the talk will then present possible solutions for those challenges. The presentation will also touch on more unconventional topics such as opportunities of emulation for social entrepreneurs and the potential of cooperations with larger charity organisations in the Third Sector.”

Elias ermöglichte es den Zuhörern sich ein Bild von der Social Entrepreneurship Szene in Deutschland zu machen und die Hintergründe und aktuellen Entwicklungen nachzuvollziehen. Elias arbeitet bei TheChanger, einer Online-Plattform, die Jobs für “Social Impact Professionals” bereithält und spannende Events veranstaltet rund um das Thema Karriere mit Sinn.

 

Vincent Herr, Free Interrail

#FreeInterrail – An idea with far-reaching impact

“An idea made its way from a dinner table in Vienna unto the desks of the European Commission in Brussels: #FreeInterrail is a proposal to provide all EU youth with free access to mobility in the form of Interrail passes when turning 18. The idea has generated wide-spread support and interest amongst EU youth and EU legislators alike. Currently, the European Commission discusses options for an implementation. What will happen now? What can we learn from this story? What role does civil society play in European politics in general and in ensuring the success of #FreeInterrail in particular?”

Freeinterrail ist eine Idee von Vincent und Martin, die zusammen das Team Herr & Speer bilden. Die beiden sind politische Aktivisten, die sich selbst vor allem als überzeugte Europäer und Feministen beschreiben. Mit FreeInterrail sorgen sie gerade für sehr viel Aufmerksamkeit, da das Thema gerade in der Zeit von Trump, Brexit und den bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland wohl auf einen ohnehin schon gereizten Nerv der Zeit trifft und einige wichtige Fragen zur Debatte stellt: Wie steht es um die europäische Identität? Wie schützen wir uns vor immer lauter werdenden populistischen Stimmen?

Vincent Herr von #FreeInterrail
Herr & Speer

Mit dem FreeInterrail würde jeder junge EU-Bürger ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln und über Landesgrenzen hinweg Freundschaften und Beziehungen aufbauen, die nachhaltig die Wahrnehmung der EU ins positive verändern können. Und die Jugend ist es doch gerade, die für die Zukunft der EU sehr entscheidend ist.

Wieso haben wir uns entschieden das Projekt beim Social Entrepreneurship Focus Camp einzuladen? Im ersten Moment erscheint FreeInterrail nämlich nicht wie ein klassisches Social Startup-Projekt. Ob sich Heer & Speer jetzt als Social Entrepreneurs sehen? Ist nicht unbedingt entscheidend. Von Bedeutung ist dennoch, dass solche Ideen wie FreeInterrail Prozesse in Gang setzen, Leute faszinieren, anstecken und Gründungsgeister wecken können. FreeInterrail muss sich jetzt von einer politischen Idee hin zur einem (Geschäfts-)modell entwickeln, dass langfristig funktionieren kann und sich über die bürokratischen Hürden der EU hinwegsetzt.

Vincent betonte vor allem, dass junge Menschen keine Hemmungen haben sollten, ihre Idee auszusprechen! Auch wenn politische Institutionen oft sehr unnahbar scheinen können, kann man immer auf einzelne Menschen stoßen, die einem zuhören und seine Ideen auf die Tagesordnung setzen. Jugendliche und junge Erwachsene haben zudem den Vorteil unabhängig zu sein, was dazu führt, dass Politiker weniger voreingenommen sind.

Um seine Ideen der Öffentlichkeit möglichst wirksam zu präsentieren braucht es also vor allem den richtigen Zeitpunkt und etwas Mut! 🙂

Tilman von Querstadtein

Tilman Höfken, Querstadtein

Keep the balance – tensions between economic efficiency and social impact

“By now Tilman is head of querstadtein, a Social Startup, that offers alternative city tours. The tour guides, former homeless people and refugees, who tell their personal story. In his lecture he is going to give us some insights in his work and his attitude to Social Entrepreneurship.”

Tilman hielt keinen klassischen Vortrag, sondern wollte das Publikum vor allem zum selber nachdenken anregen. Und das Thema, dass er ausgewählt hatte, war zudem noch ein hoch sensibles. Es ging darum das Spannungsverhältnis zwischen ökonomischer Effizienz und sozialer Wirkung zu beschreiben und kritisch zu hinterfragen. Wie weit darf Gesellschaft wirtschaftlich gedacht werden? Wann ist Wirtschaft eigentlich total fehl am Platz? Wann bringt wirtschaftliches Denken uns weiter?

 

 

Franziska von Kiron

Franziska Bormann, Kiron

How a social startup has gone global 

Die beiden Gründer von Kiron Open Higher Education, Vincent Zimmer und Markus Kreßler, hatten die Idee für Kiron während einer Konferenz, auf der es um Geflüchtete ging. Beide waren vorher engagierte Freiwillige in der aktiven Flüchtlingshilfe. Ihr Ziel?

“A world in which everyone has the equal chance to access and succeed in higher education.”

Kiron ist der Überzeugung, dass Zugang zur Bildung neu gedacht werden muss. Franziska, Corporate Relations Manager bei Kiron, erklärte uns wie Flüchtingsintegration durch die Bereitstellung akademischer Bildungsangebote gelingen kann und wie sich Kiron Open Higher Education dafür stark macht und nun erfolgreich auch international Fuß fasst.

 

 

Esther Bernsen und Noor Alhuda Edres, Über den Tellerrand kochen

Esther über die Arbeit für und mit Geflüchteten

Über den Tellerrand makes the world a better plate

“From small project at university towards a social business. How we expanded and enhanced our idea of meeting at eye level. Emerge of the project, first steps and present development and project in the association and GmbH.”

Esther und Noor vertraten an diesem Abend das Startup Über den Tellerrand kochen. Über den Tellerrand kochen ist vor allem durch die von ihnen angebotenen Kochkurse bekannt geworden, bei denen geflüchtete Menschen mit Einheimischen in Kontakt treten können.

“Als Social Business unterstützt die Über den Tellerrand kochen GmbH mit den Einnahmen aus Kochbuch und Kochkursen die deutschlandweite Über den Tellerrand – Community. In schöpferischen, kreativen und sportlichen Projekten begegnen sich dort regelmäßig Menschen unterschiedlichster Kulturen und lernen sich unbefangen kennen und schätzen.”

 

Sebastian Stricker, Share The Meal

ShareTheMeal: from 10 to 100 million food rations delivered

“Background: since the launch of our app 2 years ago we distributed around 10 million daily food rations to children suffering from hunger. While we think this is a great result, we now want to actively think about how we can take this number to the next level. We would like to explore options with you on what we can do to go from 10 to 100 million meals.”

Sebastian Stricker

Share the Meal ist eine App, die es ermöglicht, dass man durch ein paar Klicks auf dem Handy ein Essen spenden kann, welches dann einem Menschen in einem Land, dessen Bevölkerung von Unterernährung betroffen ist, bereitgestellt wird.

Sehr spannend war die Diskussion um die Schwierigkeiten, weitere Menschen von der App zu überzeugen. Zwar gibt es schon sehr viele Nutzer und der Erfolg der App darf nicht klein geredet werden (bisher 12.676.205 geteilte Mahlzeiten, Stand: 21.04.2017 – wow!), aber dennoch scheinen viele Menschen einem hoch sensiblen Thema wie der Nahrungsversorgung in der Dritten Welt sehr skeptisch gegenüber zu stehen. In einem komplexen und teils ungerechten System wie der Welternährung scheint eine App fast schon eine zu einfache Lösung zu sein.

Unternehmer, die sich sozialen oder ökologischen Problemen stellen, tragen viel Verantwortung und müssen dementsprechend höchstes Vertrauen ihrer Kunden (=Unterstützer) haben und Aufklärungsarbeit leisten. Wer der Idee von Share The Meal aber offen gegenüber steht, sollte die App einfach mal ausprobieren! 😉

 

 

 

 

Nachbericht Social Entrepreneurship Focus Camp | Teil 2

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